'Das Herz der purpurnen Distel'

Band eins der 'Distel'-Reihe von

Sophie Morrison

Auszug

Finley nahm mir gegenüber auf dem anderen Sofa Platz und beobachtete mich beim Trinken. 

"Mädchen, Ihr solltet nicht mehr allein herumspazieren. Ich seht doch, wohin das führt. Habt Ihr denn keine Anstandsdame? Jemanden, der Euch im Auge behält?"

Meine Stimme war noch immer rau und zittrig. "Ich möchte niemanden, der auf mich aufpasst."

"Was Ihr braucht und was ihr möchtet, sind zweierlei. Was wenn Aidan und ich nicht rechtzeitig erschienen wären?"

Ich zuckte mit den Schultern. 

"Früher oder später wäre mir schon irgendetwas eingefallen", versicherte ich nicht unbedingt überzeugend.

Er seufzte. "Mädchen, das Leben ist kein Spiel. Seht ihr das denn nicht?" (S. 157 f.)


Klappentext

Die Britischen Inseln, 1649


Während die Nachwehen des Bürgerkrieges noch überall spürbar sind, wächst die junge Kendra MacAllan, halb Schottin, halb Engländerin, zu einer selbstbewussten Frau heran.

Dank ihrem Vater genießt sie zuhause in Schottland außergewöhnlich viele Freiheiten, die in völligem Kontrast zu den Besuchen bei ihren adligen Großeltern in London stehen. 

Ihren Wurzeln zuliebe versucht Kendra beiden Welten gerecht zu werden, womit sie sich allerdings nicht arrangieren kann, ist die leidige Suche ihrer Großmutter nach einem angemessenen Ehegatten. Längst hat Kendra beschlossen, dass sie ihre kostbare Unabhängigkeit niemals gegen die Fesseln einer Ehe eintauschen wird. 

Als sie jedoch völlig unverhofft dem attraktiven Finley MacCarter begegnet, gerät ihre strenge Prinzipientreue ins Wanken. Kendra kann sich seinem bezaubernden Charme nicht entziehen und verliert nach und nach ihr Herz an Finley. 

Nachdem Kendras Vater jedoch von dieser Verbindung erfährt, setzt er ihr ein jähes Ende. Kendra wird mit der schmerzlichen Wahrheit konfrontiert, dass die Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft mit Finley unmöglich macht. 


Krampfhaft bemüht sich Kendra zu vergessen. Wird es ihr gelingen?

Rezension

Man begibt sich hier zunächst in das, was man in etwa erwartet: eine Liebesgeschichte, die 1649 auf den Britischen Inseln spielt. Aber das ist noch lange nicht alles, was die Autorin auffährt. Neben fundierter Recherche, die sich sowohl in Kriegsdarstellungen, als auch in Beschreibungen der Gebräuche und in der Erwähnung spezifischer Details, wie gälischen Trinksprüchen, wiederspiegelt, zeigt sich, dass die Stereotypen, die für gewöhnlich in Liebesgeschichten vorkommen, zwar vorhanden, jedoch abgewandelt worden sind. Ihnen wurde eine gewisse Tiefe und eine wesentlich größere emotionale Bandbreite zugeschrieben, als es vielleicht sonst der Fall ist. Dadurch wirken nicht nur die Protagonisten authentischer, sondern auch die Nebenfiguren, die alle durchaus ihren eigenen, wenn auch manchmal durchaus von Stereotypen geprägten Charme haben. 

 

Das Werk lebt davon, dass vieles auserzählt wird. Es wird nicht einfach nur zusammengefasst, was geschah: es wird im Detail beschrieben. So kommt es auch zu einem ausführlichen Rückgriff in die Vergangenheit, wo unter anderem, teilweise recht ausführlich Kriegsgeschehen geschildert. Interessanter Weise wird in diesem Werk anders als in anderen über die Kriege auf den Schottischen Inseln um diese Zeit, kaum auf die religiösen Differenzen der Beteiligten eingegangen, sondern viel mehr auf die politischen.

Das Auserzählen zeigt sich jedoch auch an anderen Stellen. Sei es an der Beschreibung von Landschaften, Gebräuchen oder auch der Kleidung. Diese Schilderungen helfen nicht nur, die damalige Zeit vor dem inneren Auge des Leser zu vergegenwärtigen, sondern bieten, neben dem Wissen, auch die Möglichkeit der Authentifizierung der Figuren. Probleme werden aufgegriffen, die 'wirklich' und 'authentisch' erscheinen, die einem selbst spontan vielleicht gar nicht so bewusst werden. Ein Beispiel? Kämpfen mit gefühlten zehn Schichten Kleidung am Unterkörper ist doch nicht so leicht, wie manche Hollywoodschauspieler es erscheinen lassen...

 

Es ist etwas schade, dass gerade die Gefühle der beiden Protagonisten, gerade auch die der Protagonistin, auf den ersten Blick etwas überstürzt entstehen. In gewisser Weise hätte ich mir an der Stelle ein wenig mehr gewünscht. Dennoch ist es ganz angenehm das Paar durch das Buch zu verfolgen, die dramatischen Momente mitzunehmen und von der Spannung gepackt weiter zu lesen. 

 

Das Problem, dass sich gerade bei historischen Werken ergibt, ist immer, dass man einige Dinge erklären muss, die ein heutiger Leserkreis nicht kennt, die aber für die Protagonisten selbstverständlich sind. Teilweise ist dieses Problem recht souverän gelöst, manches Mal gibt es einige Ungeschicklichkeiten. 

 

Alles in allem finden sich in diesem Werk kleinere Mängel, die jedoch aufgrund der Größe der angelegten Geschichte, der Erzählweise, der fundierten Recherche und der Figurencharakterisierung wett gemacht werden.  


Gadget

Die wesentlichen Unterschiede zwischen schottischem und irischen Whiskey besteht in der Herstellung des Whiskeys. Während bei schottischem Whiskey das Malz vorwiegend auf Torffeuer gedarrt, wird der mildere Geschmack des irischen Whiskeys dadurch zustande gebracht, dass kein Torffeuer beim Darren des Malzes verwendet wird. Weiterhin wird bei schottischem Whiskey das Pot-Still-Verfahren (zweimalige Destillation) benutzt. Bei irischem Whiskey ist es das Patent-still-Verfahren (dreimalige Destillation). Natürlich gibt es auch Gemeinsamkeiten, wie etwa die mindestens dreijährige Lagerung des Whiskeys in Eichenfässern. Es sei jedoch gesagt, dass jeder Whiskey seine eigene Note hat, es also durchaus Ausnahmen gibt. Ein Beispiel wäre der Auchentoshan, der trotz dem, dass er ein irischer Whiskey ist, drei Mal destilliert wird oder auch die Blended und Malt Irish Whiskeys, die nach schottischer Art hergestellt werden.


Nebenbei bemerkt, besitzt eine der Figuren im Werk eine Distillerie. Interessanterweise gibt es tatsächlich eine MacAllan Distillery, die tatsächlich die erste legale Distillerie in Schottland war. (Bei der Distillerie im Buch bleibt es noch der Vermutung der Protagonistin überlassen, in wie fern die Geschäfte der Distillerie legal sind oder nicht.) 


Angaben zum Werk

Autor: Sophie Morrison

Serientitel: 'Distel'

Titel: 'Das Herz der purpurnen Distel'

Verlag: Sophie Morrison

Erscheinungsjahr: 2015

Seitenzahl: 644 Seiten

Preis: 0,99 € (E-book), 16,99 € (Taschenbuch)

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-1515306856

ISBN-10: 1515306852

ASIN: B012XTE69G


Link zur Autorenseite

Andere Stimmen

Im Bücherblog 'Buch Ninja' wurde das Werk rezensiert, wobei vor allem die Leseeindrücke geschildert werden. 

 



 

 

 

Link zur Rezension auf 'Buch Ninja'

Bei 'Eine Bücherwelt' findet sich eine eher nüchterne, dafür jedoch informationsreiche Rezension, die einen allgemeinen Eindruck des Werkes zu vermitteln und gleichsam genug zu verraten, um Leser auf das zu erwartende vorzubereiten, ohne großartig zu spoilern.


Link zur Rezension auf 'Eine Bücherwelt'


Ruby schrieb auf 'Ruby Celtic testet" eine Rezension, die sowohl einige Daten über die Autorin, ihre Meinung zum Cover und zum Buch zu lesen ist, wobei vorwiegend auf die Figurencharakterisierungen eingegangen wurde. 



Link zur Rezension auf 'Ruby Celtic testet'


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